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Ein Snapshot ist kein Backup: Beides richtig einsetzen
10.08.2026 · Timo Meschkat
Kaum ein Missverständnis hält sich in der Virtualisierung und im Umgang mit Dateisystemen so hartnäckig wie dieses: „Wir haben Snapshots, wir sind abgesichert." Snapshots und Backups lösen aber grundverschiedene Probleme – und wer das eine für das andere hält, merkt es im ungünstigsten Moment. Eine Klarstellung mit praktischen Regeln.
Was ein Snapshot wirklich ist
Ein Snapshot friert den Zustand einer VM zu einem Zeitpunkt ein: Disk und auf Wunsch auch RAM. Technisch bleibt dabei alles auf demselben Storage: Der Snapshot ist keine Kopie, sondern ein Verweis auf alte Datenblöcke, während neue Änderungen daneben geschrieben werden. Daraus folgt alles Weitere: Stirbt der Storage, sterben VM und Snapshot gemeinsam. Ein Snapshot schützt vor schlechten Änderungen, nicht vor storagebedingten Verlusten oder Ausfällen.
Was ein Backup leistet
Ein Backup ist eine eigenständige Kopie auf einem anderen System – im Proxmox-Umfeld typischerweise auf einem Proxmox Backup Server, dedupliziert, versioniert und idealerweise zusätzlich an einen zweiten Standort synchronisiert. Es überlebt den Ausfall des VM-Storages, des Nodes und mit Offsite-Kopie auch den des Standorts. Der Preis: Wiederherstellung dauert üblicherweise länger als das Wiedereinspielen eines Snapshots. Wie lange die Wiederherstellung eines Backups dauert, hängt von der Netzwerkanbindung, dem Backup-Storage ab und ob Live-Restore genutzt wird.
Live Restore / Instant Restore
In Verbindung mit dem Proxmox Backup Server bietet Proxmox VE "Live Restore" von Backupständen an. Dabei wird die VM direkt aus dem gewählten Backupstand gestartet und synchronisiert im Hintergrund die Blöcke auf den VM-Storage.
Der Vorteil hierbei ist, dass die VM sofort wieder bereitsteht, auch wenn sie mitunter sehr langsam ist - Aber: Wenn der Prozess des Live-Restores abgebrochen wird, gehen die Änderungen verloren, die seit dem Start des Live-Restores in der VM angefallen sind. Darüber hinaus dauert ein Live-Restore sehr viel länger als ein Standard-Restore, weil das Umleiten der IO-Requests zum Backupserver Bandbreite kostet und Ressourcen verbraucht.
Wofür Snapshots gemacht sind
Richtig eingesetzt sind Snapshots ein großartiges Werkzeug:
- Vor Updates und Konfigurationsänderungen: Snapshot anlegen, Änderung durchführen, bei Erfolg Snapshot löschen – bei Misserfolg in Sekunden zurück.
- Für Test- und Entwicklungszyklen: definierten Zustand einfrieren, beliebig oft dorthin zurückkehren.
- Als kurzfristige Absicherung während einer Wartung – für Stunden oder Tage, nicht für Monate.
Das Muster ist immer gleich: Ein Snapshot ist ein temporäres Sicherheitsnetz für eine geplante Aktion, mit absehbarem Ende.
Warum alte Snapshots Gift sind
Der Klassiker in gewachsenen Umgebungen: Snapshots von vor acht Monaten, angelegt „vor dem großen Update", nie gelöscht. Das kostet doppelt. Erstens Platz – der Storage muss alle seither geänderten Blöcke doppelt vorhalten. Zweitens Leistung – je nach Storage-Typ bremsen lange Snapshot-Ketten den laufenden Betrieb spürbar. Alte Snapshots sind zudem trügerische Sicherheit: Ein Zurückrollen über Monate ist praktisch nie eine Option, weil dabei alle neu aufgelaufenen Daten verloren gehen würden.
Die Betriebsregel daraus: Snapshots bekommen ein Verfallsdatum. Was älter als wenige Tage ist, wird gelöscht oder war in Wahrheit ein Fall fürs Backup. Ein regelmäßiger Blick über alle VMs – vergessene Snapshots sammeln sich erstaunlich schnell an.
Der Sonderfall Datenbanken
Bei Datenbanken und anderen schreibintensiven Systemen ist der Disk-Snapshot allein ohnehin nur die halbe Wahrheit: Konsistenz zum Zeitpunkt des Snapshots garantiert erst das Zusammenspiel mit der Anwendung – beim Proxmox-Backup übernimmt das der Guest Agent mit Dateisystem-Freeze, daher ist es insbesondere in solchen Szenarien wichtig, dass man im Gast-Betriebssystem den Qemu-Guest-Agent installiert.
bei Datenbanken kommen eigene Sicherungsmechanismen dazu - Idealerweise sichert man Diff/Log-basiert und macht periodisch Vollbackups. Dadurch erhält man die Möglichkeit sehr granulare Wiederherstellungen der Datenbank(en) durchzuführen.
Die Kombination macht es
Snapshots und Backups konkurrieren nicht, sie ergänzen sich: das Backup als regelmäßige, unabhängige, getestete Grundabsicherung – der Snapshot als kurzlebiges Werkzeug für geplante Eingriffe. Eine gesunde Umgebung nutzt beides, verwechselt beides aber nie: Die Frage „Können wir das wiederherstellen?" darf immer nur mit dem Backup beantwortet werden.
Einordnung
Wenn Sie aus diesem Artikel eine einzige Sache mitnehmen: Öffnen Sie die Snapshot-Ansicht Ihrer VMs und schauen Sie auf die Daten der vorhandenen Snapshots. Alles, was dort älter als eine Woche ist, verdient eine Entscheidung – löschen oder durch ein echtes Backup ersetzen. Und ob Ihre Backups im Ernstfall tragen, klärt unser Artikel zu den häufigsten PBS-Fehlern.
Wenn Sie Ihr Sicherungskonzept einmal komplett durchdenken wollen – Snapshots, Backups, Offsite, Restore-Tests: Sprechen Sie uns gerne an.