Proxmox bietet ab sofort offiziellen Support für ARM64. Es handelt sich dabei nicht um einen Community-Port oder ein Nebenprodukt, sondern um eine vollwertige Variante mit derselben Code-Basis und demselben Lebenszyklus wie die x86-Version.
Hier die wichtigsten Punkte im Überblick.
Die Kurzfassung
- Code-Basis und Lebenszyklus sind äquivalent zur x86-Variante von Proxmox.
- Der Unterbau bleibt gewohnt: Debian 13.5, QEMU 11, LXC 7 und ZFS 2.4.
- Der Funktionsumfang ist grundsätzlich identisch, es gibt aber plattformbedingte Ausnahmen.
Für den Alltag heißt das: Wer Proxmox kennt, muss nichts Neues lernen. Oberfläche, Werkzeuge und Konzepte bleiben gleich. Die Unterschiede liegen tiefer.
Welche Hardware unterstützt wird
- Voller Support für Nvidias Grace Hopper und Vera.
- „Best effort"-Support für ARMv9-A oder neuere Plattformen, sofern sie UEFI sprechen.
- Der Host muss zwingend UEFI sprechen und seine Hardware über ACPI ansprechbar machen.
Einzelplatinencomputer werden ausdrücklich nicht unterstützt, dazu gehört auch der Raspberry Pi. Das ist eine bewusste Abgrenzung: Der ARM64-Support richtet sich an Server-Hardware.
Diese Features laufen nur auf einer Plattform
Der Funktionsumfang ist grundsätzlich gleich, einige Features hängen aber an der Architektur:
- SeaBIOS: nur auf x86. VMs unter ARM64 unterstützen ausschließlich UEFI/OVMF.
- AMD SEV: nur auf x86.
- Intel GVT-g (Mediated GPUs): nur auf x86.
- Microcode-Paket: für ARM64 nicht in der von x86 gewohnten Form vorhanden.
- Live-Migration: nur innerhalb derselben Architektur.
Praktisch am wichtigsten ist das fehlende SeaBIOS. Ältere Gastsysteme, die kein UEFI beherrschen, lassen sich unter ARM64 nicht betreiben. Beim Microcode gilt: Was auf x86 zum normalen Wartungsvorgehen gehört, gibt es hier nicht als Paket. Updates kommen über die Firmware des Herstellers.
Gäste, Cluster und Migration
Gäste laufen nur auf Nodes, die zu ihrer Architektur passen. Eine Live-Migration ist deshalb nur innerhalb derselben Architektur möglich. Eine VM lässt sich also nicht von einem x86-Node auf einen ARM64-Node verschieben.
Cluster mit Nodes unterschiedlicher Architektur sind technisch möglich, aber offiziell nicht unterstützt. Für Testumgebungen kann man das ausprobieren. Im Produktivbetrieb würde ich davon abraten, weil man im Störungsfall ohne Support dasteht.
Subscriptions
Subscriptions für ARM64 gibt es bereits, allerdings nur auf Anfrage. Wer den Einsatz plant, sollte also direkt anfragen.
Einordnung
Für bestehende Installationen ändert sich zunächst nichts. x86 bleibt x86, und niemand muss migrieren.
Relevant wird das Thema dort, wo ARM-Hardware bereits im Einsatz ist oder wo die Effizienz pro Watt eine Rolle spielt. Die Auswahl der voll unterstützten Plattformen zeigt in dieselbe Richtung: Grace Hopper und Vera sind keine Standard-Server, sondern Hardware für KI- und HPC-Lasten. Proxmox erschließt sich damit ein Segment, in dem es bisher kaum vertreten war.
Aus meiner Sicht ist das eine Ankündigung, die weniger für heute als für die kommenden Jahre relevant ist. Gut ist vor allem, dass ARM64 mit gleichem Lebenszyklus kommt und nicht als Variante zweiter Klasse.
Bei Fragen zu ARM64 im Proxmox-Umfeld oder zur Planung einer passenden Umgebung sprechen Sie uns gerne an.